Die Anfänge

Geschichte Der Mangel an Wohnungen in Waldshut, hervorgerufen durch die mit dem vermehrten Zuzug von Familien nicht mehr Schritt haltende Bautätigkeit, hatte die Mieter vielfach in ein ungesundes Abhängigkeitsverhältnis zu den Hausbesitzern gebracht, durch das die Vorteile des bürgerlichen Gesetzbuchs hinsichtlich der Mietverträge in hohem Maß wieder verlustig gingen. Dazu kam, dass die enge, alte Bauweise der Häuser der Altstadt mit ihrem Alkoven zum Teil recht ungesunde Wohnverhältnisse boten. Insbesondere den neu hier zuziehenden Familien machte sich der Wohnungsmangel recht unangenehm fühlbar. Infolge des Mangels an Wohnungen war auch allmählich eine Steigerung der Mieten eingetreten, die in Waldshut zu weit über in ähnlichen Städten üblichen Mieten führte. Diese Umstände sowie das Bestreben, auf den Abschluss der Mietverträge einen gewissen Einfluss zu nehmen, veranlasste die Mieter, auf Einladung einiger Beamter am 15.Mai 1909 im "Rebstock" einen Mieterverein zu gründen. Dabei war man sich darüber klar, dass der Verein auf die Gestaltung der Mietverhältnisse nur dann Einfluss gewinnen konnte, wenn ihm selbst eine Anzahl mustergültiger Wohnungen zum Vermieten zur Verfügung stehen würde.

Diese Erwägungen führten am 22. Mai 1909 in einer weiteren Versammlung im "Waldschloss" zur Gründung des Bauvereins. Es traten sofort 47 der in der Versammlung Anwesenden dem neuen Verein bei;auf Ende des Jahres 1909 war der Mitgliederstand schon auf 160 gestiegen, ein deutlicher Beweis für die Notwendigkeit der Gründung und für das große Interesse, welches den Bestrebungen des Bauvereines entgegengebracht wurde. Die Mitglieder hatten zusammen 206 Anteile gezeichnet mit einer Haftsumme von 82400 Mark.

Besondere Förderung erfuhr der Bauverein durch die Firma Geßner & Cie, welche dem Bauverein sofort erhebliche Mittel zur Verfügung stellte und auch in den folgenden Jahren immer wieder mit Krediten helfend einsprang. Im ersten Jahr des Bestehens des Vereins wurde 118 Ar Gelände erworben ; es wurde alsbald mit dem Bau von zwei Doppelhäusern mit drei Vierzimmer- und neun Dreizimmer-Wohnungen (Gurtweiler Straße 40 und Franz-Huber Straße 1) begonnen.

1910 wurden weitere 39 Ar Gelände erworben und neben der Vollendung der im Vorjahr begonnenen Häuser zwei weitere Doppelhäusern (Gurtweiler Straße 28 bis 34) mit 16 Wohnungen und etwas größeren Grundflächen der Räume erbaut. Gleichzeitig wurden daselbst für Rechnung zweier Genossen zwei Einfamilienhäuser errichtet und ferner die Herstellung von vier Einfamilienhäusern in der Gartenstraße übernommen. Am 1. Mai bzw. 1. Juni konnten die ersten beiden Doppelhäuser bezogen werden. Im Herbst desselben Jahres waren auch die beiden weiteren Doppelhäuser, sowie die beiden Einfamilienhäuser im Gurtweiler Tal bezugsfertig.

Im Jahre 1911 erstreckte sich die Tätigkeit des Vereins auf die Arbeitsausschreibung und Zahlungsvermittlung für die drei von Genossen hergestellte Einfamilienhäuser, sowie die Fertigstellung eines weiteren Einfamilienhauses in der Gartenstraße für Rechnung des Genossen.
1912 und 1913 wurden keine weiteren Neubauten erstellt, dagegen mussten drei der Eigenhäuser von Genossen übernommen werden, so dass der Verein Ende 1913, also am Schluss des fünften Geschäftsjahres sieben vereinseigene Häuser mit zusammen 29 Wohnungen besaß.

Krieg und Nachkriegsjahre 1914 - 1920

1914/18 brachte einen Stillstand in der Entwicklung des Vereins. Neue Wohnungen konnten nicht gebaut werden, lediglich die notwendigsten Unterhaltungsarbeiten wurden ausgeführt und in den Häusern I - VI wurde die elektrische Beleuchtung eingerichtet. Die Geschäftsführung war sehr wesentlich erschwert durch die Einberufung von Mitgliedern des Vorstandes und Aufsichtsrates zum Heeresdienst. Allen Hindernissen zum Trotz wurden diese schweren Jahre gut überstanden, so dass 1919 mit neuer Zuversicht an die weitere Arbeit herangegangenen werden konnte. Ein Doppelhaus mit sechs Dreizimmerwohnungen (Franz-Huber Straße 4/6) wurde auf 1. Dezember 1919 bezugsfertig und eine weitere Dreihäusergruppe mit neun Dreizimmerwohnungen (Gurtweiler Straße 44-48) begonnen, welche 1920 bezogen wurden.

Schnelles Wachstum 1926 – 1932

Das Jahr 1926 sah noch den Baubeginn des „Liebfrauenhauses“ (Waldeckstraße 13/15) mit sechs Dreizimmer-Wohnungen und des Hauses „Zum Hans Sachs“ (Kalvarienbergstraße 4) mit zwei Vierzimmer- und zwei Dreizimmer-Wohnungen. Auf Ende 1926 waren insgesamt 140 Wohnungen und sechs Notwohnungen vorhanden. 1927 entstand das Haus „Zum Kranitzer“ (Waldeckstr. 9) mit drei Wohnungen und Laden, das „Hebelhaus“ (Kalvarienbergstraße 3) mit vier Wohnungen und das Haus „Zum Frühling“ (Schwarzwaldstraße 20/22) mit zehn Wohnungen, ferner wurden im Rohbau ein mit sechs Zweizimmer-Wohnungen (Waldeckstraße 7) für Polizeibeamte und das Haus Waldeckstraße 5 mit sieben Zweizimmer-Wohnungen für Mitgliedern der Reichsbahnarbeiterpensionskasse erstellt.

Schwierige Zeiten 1933 – 1945

Mit der 1932 erfolgten Fertigstellung des Hauses „Im Unteren Tal 2“ waren die ersten 25 Jahre des Bauvereins abgeschlossen. Insgesamt besaß der Verein nunmehr folgende Wohnungen:
  • 8 Ein-Zimmerwohnungen
  • 54 Zwei-Zimmerwohnungen
  • 159 Drei-Zimmerwohnungen
  • 27 Vier-Zimmerwohnungen

Das waren zusammen 254 Wohnungen, in welchen 920 Personen untergebracht waren. Das gesamte Gebiet im Eigentum des Verein umfasste 1932 5,12 ha.

1948 – Es geht weiter

1948 brachte am 21. Juni die Währungsreform, welche eine vollkommene Umstellung der Bilanzwerte erforderte. Die Bilanz wurde am 21.Juni 1948 mit 1.109.739,31 DM eröffnet. In der DM-Eröffnungsbilanz wurden bei den Häusern 80% des Einheitswertes als Wertansatz eingestellt. Die Hypothekenschulden wurden in 101.327,69 DM Resthypotheken und 911.948,95 DM Umstellungsschulden umgewandelt. Die Rückstellungen wurden neu aufgestellt und die Rücklagen neu gebildet. Die Geschäftsanteile wurden im Verhältnis 100:80 neu festgesetzt und die Erhöhung des Geschäftsanteils und der Haftsumme auf 300,-- DM durch Hauptversammlungsbeschluss festgelegt. Vom Erzbischöflichen Stuhl in Freiburg i.B. wurde durch den Kaufvertrag vom 7. Dezember 1949 das „Haus Gurtweiler Straße 4“ zum Preis von 22.000,- DM erworben.

Neue Herausforderungen

Es bestand stets ein erheblicher Nachholbedarf an Instandsetzungsarbeiten an den bestehenden Gebäuden. Zunehmend machte sich mehr und mehr das Bedürfnis nach mehr Komfort, auch in den nach 1948 erbauten Wohnungen, bemerkbar. Zu Anfangszeiten der Genossenschaft war ein Wohnungswechsel eher selten. Eine einmal bezogene Wohnung wurde vielfach über Jahrzehnte genutzt. Mit dem Wirtschaftsaufschwung, der Mobilität und der Arbeitsplatzfrage änderten sich auch das Wohnverhalten und die Ansprüche der Mieter. Ein Wohnungswechsel nach zwei oder drei Jahren ist heute keine Seltenheit mehr. Aktuell fallen derzeit bis zu 40 Wohnungswechsel im Jahr an. Eine Ursache ist dabei auch der Wunsch nach eigenem Wohnraum oder Eigentum.

Zum 01.01.1990 wurde das Wohnungsgemeinnützigkeitsrecht aufgehoben. Die Steuerbefreiung für die gemeinnützigen Wohnungsunternehmen wurde abgeschafft. Um weiterhin steuerfrei bleiben zu können, entschied sich die Genossenschaft für eine so genannte Vermietungsgenossenschaft, in deren Geschäftsbereich die Überlassung von Wohnungen an die Mitglieder aufgrund eines genossenschaftlichen Mietvertrags gehört.

Bei der Umstellung der deutschen Währung „DM“ auf die europäische Währung „Euro“ im Jahre 2002 betrug die Bilanzsumme der Genossenschaft am 01.01.2002 = 4.092.941,88 €.